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Lingg Maximilian

Lingg Maximilian, Nesselwang

Geburts-, Wohn-,
Arbeits- oder Wirkungsort

Nesselwang

Sterbejahr
1930

Bischof in Augsburg

23


In seiner zweiten Heimat Faulenbach bei Füssen, wo er immer so gerne zur Erholung weilte, im dortigen Ulrichsheim, das er seinen Priestern nebst einem Kirchlein vor Jahren für kranke Tage gestiftet hat, ist unser geliebter Oberhirte Maximilian auf seiner letzten Firmungsreise vom Tode überrascht worden. Im 89. Lebensjahre stehend, hat er am letzten Maientage des Jahres 1930 als derzeit ältester Bischof Deutschlands mit einem stillen Kusse auf sein Sterbekreuz und unter den Gebeten der Kirche friedlich und gottergeben das Zeitliche gesegnet. Er war der 76. in der Reihe der Augsburger Kirchenfürsten und seit über 200 Jahren der erste, der in seiner Heimatdiözese Bischof wurde. Am 8. März 1842 ist er in Nesselwang als Sohn der Bäckermeisterseheleute Johann Georg und Franziska Lingg geboren. Im Jahre 1860 vollendete er als Achtzehnjähriger seine Gymnasialstudien bei St. Stephan in Augsburg und studierte hierauf in München Philosphie, Theologie und (weil er für die Weihen noch zu jung war) Rechtswissenschaft, um dann am 22. Juli 1865 von Bischof Pankratius als Dreiundzwanzigjähriger die Priesterweihe zu empfangen.

Der hochgelehrte junge Priester, der im Jahre 1869 den Doktortitel der Rechtswissenschaften erwarb und später (1888) den der Theologie, war vier Jahre Kaplan in Pfronten, Obergünzburg und St. Ulrich in Augsburg, darnach fünft Jahre Erzieher der Königlichen Prinzen Ferdinand und Alfons, von 1874 an Professor für Kirchenrecht und Kirchengeschichte in Bamberg, daneben seit 1881 Domkapitular, bis er 1893 zur Würde des Dompropstes aufstieg. Am 18. März 1902 ernannte ihn Prinzregent Luitpold zum Bischof von Augsburg, Papst Pius X. bestätigte ihn am 9. Juni und der Münchener Erzbischof von Stein erteilte ihm am 20. Juli die Bischofsweihe. Durch achtundzwanzig oft recht stürmische Jahre hat er gerecht und klug, ernst und doch voll Güte den Hirtenstab geführt. Obwohl bis in die allerhöchsten kirchlichen und weltlichen Kreise hinauf wegen seiner Gelehrsamkeit und bescheidenen Vornehmheit aufs höchste geachtet und ausgezeichnet (Prinzregent Luitpold hat ihn in den Adelsstand erhobewn, Papst Pius X. ihm die Würde eines Päpstlichen Thronassistenten und Römischen Patriziers, Comes Romanus, verliehen), hat er dennoch sein Herz in ganz ausnehmender Weise für das einfache Volk bewahrt, dem er entsprossen war, liebte über alles die Kinder, die Kranken und die Armen und verschenkte in den harten Notzeiten, was er nur immer geben konnte. Er war ein echter Volksbischof, allen ein Führer zu Gott und warmherziger Vater in schweren Stunden. Mehr als die Hälfte seiner Diözesanen hat er die Hände aufgelegt, über 800 jungen Priestern und über 400.000 Firmlingen. Seine herrlichen vierzig Hirtenbriefe sind ein feindurchdachter und doch reizend volkstümlicher Leitfaden des religiösen Lebens.

R.I.P.

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