Riedl Eduard
Geburts-, Wohn-,
Arbeits- oder Wirkungsort
Pinswang
Sterbejahr
1931
Weißhaus
4
Aus: Außferner Bote vom 9. Dez. 1931
Weißhaus. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich am Samstag gegen Mittag die Kunde: Der Besitzer des Gasthofs Weißhaus ist plötzlich gestorben. Herr Eduard von Riedl hat ein Alter von 63 Jahren erreicht. Mit ihm ist ein Mann von echtem Schrot und Korn, ein aufrechter, ehrlicher und biederer Bayer von uns gegangen. Er wurde seinerzeit in München als der Sohn einer hochangesehenen Goldschmiedefamilie geboren, erlernte die Goldschmiedekunst und leitete sodann mehrere Jahre das elterliche Geschäft. Aus Gesundheitsrücksichten mußte er dann seinen Beruf aufgeben. Herr von Riedl war ein großer Freund der ehemaligen kgl. bayr. Armee. Mit Leib und Seele war er seiner militärischen Laufbahn ergeben. Bei Kriegsausbruch rückte er sofort ein und war zuerst als Rittmeister im Bekleidungsamt tätig, später als Major beim Gefangenenlager Lechfeld. Ueberall wurden seine militärischen Eigenschaften anerkannt. Seinen Soldaten war er stets ein treuer Berater, ein Vorgesetzter, der das Vertrauen seiner Untergebenen in hohem Maße besaß. Schwer lasteten und drückten auf ihn die Umsturzverhältnisse von 1918, die er nie ganz überwand. Er, der in Königszeiten aufgewachsen war, konnte sich nie so recht in die Errungenschaften der Revolution fügen. 1920 heiratete er nach Weißhaus. Seiner Familie war er stets ein treubesorgter, liebender Gatte und
Vater, und alle, die ihm nahestanden, ein hochgeschätzter Freund, denen er manche Stunde verschönte mit seinem reichen Wissen. In früheren Jahren war er auch ein gern gesehener Jagdgast bei S. Kgl. Hoheit dem Prinzen Ludwig von Bayern, dem nachmaligen König Ludwig III. Doch ein Herzleiden, das auch die Ursache seines frühen Todes war, zwang ihn, dem geliebten Weidwerk zu entsagen. Der einzige Bruder des Verstorbenen war der bekannte Münchner Spezialist für Ohr- und Kehlkopfleiden, der im Alter von 52 Jahren ebenfalls einem Schlaganfall erlegen ist. Herr von Riedl wurde am Montag unter zahlreicher Beteiligung aus nah und fern auf dem Friedhofe in Füssen begraben. Alle, die ihn kannten, werden ihm ein treues Andenken bewahren. Möge der Heimgegangene in Frieden ruhen!
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